Inklusives Martinsviertel

Ein Interview mit Birgit Heckelmann Gemeindepädagogin im Martinsviertel in Darmstadt.

Birgit Heckelmann

Birgit Heckelmann

Was war der Ausgangspunkt für das Projekt „Inklusives Martinsviertel“?

Ein Jugendlicher mit Down Syndrom war nach der Konfirmandenzeit so begeistert von der Gemeinde, dass er gerne längerfristig, auch nach dem Konfirmandenunterricht in der Gemeinde bleiben wollte. Dabei kam die Frage auf, wie man Kinder und Jugendarbeit so gestalten kann, dass sie attraktiv für Menschen mit Behinderungen ist. Parallel startete von der Stadt, das Projekt des „Inklusiven Martinsviertels“. Die Stadt wollte ein Viertel nehmen welches am vielfältigsten ist und das ist bislang  das Martinsviertel. Mit verschiedenen Trägern und Sponsoren wie der Hochschule Darmstadt, der Software-AG-Stiftung und dem paritätischen Wohlfahrtsverband und vielen Anderen startete das Projekt. Am Anfang gab es eine große Kickoff-Veranstaltung bei der über 150 Menschen anwesend waren die begeistert von dieser Veranstaltung nach Hause gingen. Wir gründeten daraufhin 4 Vernetzungsgruppen zum einen eine mit dem Schwerpunkt Arbeit, eine mit dem Schwerpunkt Wohnen und eine mit dem Schwerpunkt Bildung und eine mit dem Schwerpunkt Freizeit. Diese Gruppen treffen sich 1 mal im Monat und reden über aktuelle Sachverhalte.

Wie sieht die genaue Arbeit dieser Vernetzungsgruppen aus?Begrüßung durch einen Teil des großen Vorbereitungsteams

Die Gruppe Arbeit geht in kleinen Geschäften hier ins Martinsviertel und lotet Praktikumsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap aus. Zudem gehen sie auf die hobit, (die Ausbildungsmesse) und fragen nach Ausbildungsmöglichkeiten.

Ich habe gesehen du leitest auch eine Jugendgruppe jeden Donnerstag. Wer kommt da hin?

Da können Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren kommen, egal ob mit oder ohne Behinderung. Die Gruppe heißt die Kirchen-Piraten und trifft sich sehr regelmäßig.

Mit welchen Formen von Behinderungen wirst du konfrontiert?

Menschen mit körperlicher Behinderung sind in der Minderheit, der Großteil hat eine sogenannte geistige Behinderung oder Lernschwierigkeiten.

Welche Aktionen machst du in deiner Funktion als Gemeindepädagogin  hier im Martinsviertel neben der Jugendgruppe?

Zum Einen machen wir einmal im Jahr eine inklusiven Gottesdienst. Des Weiteren veranstalteten wir eine Lesung mit Florian Sitzmann mit Gebärdendolmetschern, einer Leseassistenz und Induktionsonsspulen, Musikladensodass wirklich jeder an dieser Lesung teilnehmen kann.

Ein weiteres Projekt ist der inklusive Musikladen indem wir zusammen mit der Zielgruppe dafür sorgen, dass ein Projekt funktioniert. Dabei werden verschiedene Fragen in der Vorbereitung gleichgewichtet, sei es o
b die Blumen rot oder weiß sind oder wie viel Cola man kauft. Der Prozess wird dabei zwar entschleunigt, allerdings lohnt es sich ohne Frage, weil man viel lernen kann in solchen Prozessen über sich selbst, aber auch über andere.

 

Was ist dein Ziel für den weiteren Projektablauf?

Wir wollen das Inklusion schon ganz früh beginnt. Im Kindergarten und dann auch in den Schulen. Zudem machen wir einmal im Jahr eine Veranstaltung bei der wir uns mit Kinobetreibern und vielen anderen Personen treffen um diese zu sensibilisieren. Außerdem gehen Leute in Arztpraxen um auch dort auf die Probleme der Menschen mit Behinderungen hinzuweisen.

Wie kommt das Projekt generell imMartinsviertel an?

Eine überwältigende Mehrheit hiervon ist begeistert, allerdings wollen gerade manchmal ältere Menschen, Menschen mit Behinderung betüteln und ihnen helfen, obwohl diese oftmals die Hilfe gar nicht wollen.

Ein Bild vom inklusiven Musikladen der einmal im Jahr stattfindet.

Ein Bild vom inklusiven Musikladen der einmal im Jahr stattfindet.

Was ist dein persönliches Fazit bisher aus diesem Projekt?

Es macht eine Menge Spaß und man wird bereichert, dadurch, dass man viele unterschiedliche Aspekte aber auch Selbstverständlichkeiten anders wahrnimmt. Ich kann jedem der dieses Interview liest nur empfehlen, selbst wenn es anstrengend am Anfang ist, durchzuhalten und selbst aktiv zu werden und für eine inklusivere Zukunft in unserer Gesellschaft einzustehen, denn es lohnt sich!

 

 

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