Positionspapier zum Thema Geschlechtervielfalt und Geschlechtergerechtigkeit

19. November 2014

Evangelische Jugend in Hessen und Nassau e.V. (EJHN) beschließt Positionspapier zum Thema Geschlechtervielfalt und Geschlechtergerechtigkeit

Die 25. Vollversammlung vom 07. – 09. November 2014 verabschiedet ihr Positionspapier Geschlechtervielfalt und Geschlechtergerechtigkeit und will sich weiter für das wichtige Thema in unserer Gesellschaft einsetzten.

Jede*r hat eins.
Oder keins.
Oder mehr als eins.
Geschlecht geht uns alle an.

„Es zählt zu den Stärken des evangelischen Menschenbilds, dass es Menschen nicht auf biologische Merkmale reduziert, sondern ihre Identität und ihr Miteinander in vielfältiger Weise beschreibt.“ (Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken – eine Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 1. Aufl. 2013, S.67)

Der Mensch ist von Gott zu seinem Ebenbild geschaffen. Die Rechte und Würde eines jeden Menschen sind daher in Gott verankert. Der Mensch hat die Freiheit Entscheidungen zu treffen und die Kompetenz, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Er trägt die Verantwortung für sein Handeln.

Das bedeutet für uns:

Alle Menschen haben das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung!
Wir laden Trans*- und Inter*menschen[1] ein, sich bei uns wohlzufühlen.
Sie stehen unter Gottes Segen.

Wir wollen eine Gemeinschaft sein, die Menschen bei der Transition[2] in ein anderes Geschlecht unterstützt, aber auch akzeptiert, dass es auf die Frage nach Namen und Pronomen manchmal keine Antwort gibt.

Wir sind eine einladende Kirche, die für Menschen jeglichen Geschlechts da ist.
Wir sind eine gerechte Kirche, in der alle Menschen gleichgestellt sind.

Deshalb

–       Verwendet die EJHN in Schriftstücken konsequent die gendergerechte * oder_ Schreibform.

Wir gestalten unsere Sprache offen und geschlechtssensibel. Dabei passen wir uns dem inklusivsten Stand an, ohne auf Verständlichkeit zu verzichten.

–       Verzichtet die EJHN in Formularen auf die Abfrage des Geschlechts. Sollte dies nicht möglich sein ist ein freies Feld zum Selbstausfüllen anzubieten. Die Vollversammlung beauftragt den Vorstand der EJHN zu überprüfen, ob dies auch bei Formularen von Dritten, im Sinne von Förderanträgen, möglich ist. (Vergleiche Antrag 01 VV 24)
–       Wird nach jeder Vollversammlung mit Wahlen vom Vorstand ein Bericht verfasst und gemeinsam mit dem Vorstandsbericht veröffentlicht. Er gibt Auskunft über das Geschlechterverhältnis in der Kandidatenschaft für und der Gewählten von Vorstands-, Vorsitzenden-, Kuratoriums- und Außenvertreter*innenwahlen. Nach Möglichkeit nennt er auch die Beweggründe der Kandidaturen.

Außerdem berichtet er von Projekten der EJHN zum Themenkomplex Geschlechtergerechtigkeit und –vielfalt.
Dieses Modell soll die nachhaltige Aktualität und Diskussion dieses Themas in der EJHN gewährleisten.

–       Nutzt die EJHN und informiert über geschlechtergerechte Arbeitsformern in der jugendpolitischen Arbeit.

 

Wir wollen eine einladende Kirche werden, die für Menschen jeglichen Geschlechts da ist.
Wir wollen eine gerechte Kirche werden, in der alle Menschen gleichgestellt sind.

Deshalb fordern wir

–       Die Dekanate und Gemeinden dazu auf, ihre Jugendleiter*innen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und -vielfalt zu schulen. Die EJHN empfiehlt hierfür die Kooperation mit den örtlichen SchLAu-Aufklärungsprojekten oder das Juleica-Modul der Bildungsinitiative QUEERFORMAT als Grundlage. (

)

–       alle Gemeinde- und Dekananatsjugendvertretungen auf, sich kritisch mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit und –vielfalt auseinander zu setzten.

–       Die Dekanate, Gemeinden und die EKHN auf, auf die Abfrage des Geschlechts in Formularen zu verzichten und, sollte dies unmöglich sein, ein freies Feld zum Selbstausfüllen anzubieten.

–       Die EKHN auf, ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und –vielfalt zu schulen und sensibilisieren.

–       Die EKHN auf, eine Sonderstelle einzurichten, die zum Thema Geschlechtervielfalt und Theologie arbeitet.

–       Die EKHN auf, einen Trans*ritus[3] anzubieten, in der Trans*menschen ihre Transition2 feiern und in der sie gesegnet werden.

–       Die EKHN dazu auf, Taufurkunden und andere kirchliche Dokumente auch ohne amtliche Vornamensänderung auf den neuen Namen auszustellen.

 

[1] Trans*mensch: Ein Mensch, dessen Identitätsgeschlecht nicht seinem körperlichen Geschlecht entspricht.Inter*mensch: Ein Mensch, der genetisch, anatomisch oder hormonell nicht als männlich oder weiblich zugeordnet werden kann.

[2] Die soziale & körperliche Geschlechtsangleichung

[3] In der Form einer Tauferinnerung

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